Praxis-Workflow
Zehn Schritte von Rechtsträger bis Audit.
Diese Reihenfolge entspricht der operativen Umsetzung: erst
Pflichtenprofil und Stellenlogik, dann Daten, Auskunft, Analyse,
Bericht, Abhilfe und Nachweis.
1. Rechtsträger klären
Land, Mitarbeiterzahl, Headcount-Methode, Betriebsrat und Reporting-Einheit erfassen. Daraus leitet die Rule Engine Pflichten, Fristen und Schwellenwerte ab.
Eine österreichische GmbH mit 120 Beschäftigten wird angelegt. Die App zeigt dadurch eine dreijährige Reporting-Pflicht ab 2031 und Betriebsratsbeteiligung.
2. Jobarchitektur herstellen
Stellenfamilien, Funktionen und Level anlegen. Jedes Level muss sauber beschrieben und mit objektiven Kriterien bewertet werden.
Backend Developer L2, Senior Backend Developer L4 und Engineering Manager L5 werden mit denselben Bewertungsdimensionen, aber unterschiedlicher Verantwortung modelliert.
3. Beschäftigtenkategorien bilden
Level gleicher oder gleichwertiger Arbeit in Kategorien gruppieren. Kategorien sind die Vergleichseinheit für Auskunft, Analyse, Reporting und Remediation.
Backend L4, Frontend L4 und Data Engineer L4 werden nach Bewertung als Kategorie Professional IC 4 geführt.
4. Vergütungsdaten vervollständigen
Aktive Beschäftigte, Geschlecht, FTE, Vertrag, Job-Level, Kategorie und aktuelle Pay Records importieren oder pflegen.
Beim CSV-Import werden base_salary, bonus, allowances, fte und job_level gemappt und als Pay Records gespeichert.
5. Kriterien transparent machen
Pay Bands, variable Komponenten und Progressionskriterien dokumentieren. Kriterien müssen objektiv, nachvollziehbar und geschlechtsneutral sein.
Für Professional IC 4 wird ein Band von 62.000 bis 82.000 EUR hinterlegt, Progression anhand dokumentierter Kriterien.
6. Recruiting absichern
Stellenanzeigen mit Entgeltspanne, neutraler Berufsbezeichnung, Tarif-/KV-Hinweis und dokumentiertem Salary-History-Verbot führen.
Eine Anzeige Senior Controller:in enthält 70.000 bis 85.000 EUR Jahresbrutto und die Checkliste zur Entgelthistorie.
7. Auskunftsersuchen bearbeiten
Anfragen mit Worker-Bezug erfassen, Frist überwachen, Antwort berechnen, Datenschutz prüfen, intern reviewen und schriftlich versenden.
Eine Anfrage vom 10.03.2026 erhält automatisch eine Frist bis 10.05.2026 und nutzt die aktuelle Vergleichsgruppe.
8. Pay-Gap-Analyse ausführen
Mean, Median, Grundentgelt, variable Bestandteile, Empfängerquoten und Quartile je Kategorie berechnen. Kleine Gruppen werden unterdrückt.
Eine Kategorie zeigt 6,2% Mean Gap und wird für Rechtfertigung oder Remediation markiert.
9. Reporting und Freigabe
Berichtszyklus erstellen, Kennzahlen prüfen, Management- und Arbeitnehmervertretungsfreigabe dokumentieren und Export sichern.
Der Berichtszeitraum 2026 wird geprüft, freigegeben und als CSV/PDF für Ablage, Betriebsrat und Meldung exportiert.
10. Abhilfe und Audit
5%-Fälle prüfen, objektive Rechtfertigung oder Maßnahmen dokumentieren, Fristen nachhalten und alle Entscheidungen im Audit-Trail absichern.
Ein nicht erklärbarer Gap erzeugt einen Abhilfefall mit Verantwortlichen, Maßnahmenplan und Nachprüfung.